Blut und Silber

  • Preis: EUR 19,95
  • Autor: Sabine Ebert
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 731
  • Verlag: Droemer/Knaur
  • Leserbewertung:

Leserbewertungen:

Kriegswirren, Mord und Totschlag in und um Freiberg

Die bisherigen Rezensionen und der ausführliche Bericht in der Buchbeschreibung berichten bereits so ausführlich, dass ich dem Leser in meiner Rezension die Inhaltbeschreibung hier erspare.

Als Anhänger der "Hebammen-Saga" von Sabine Ebert musste ich natürlich auch dieses Buch lesen. Es ist klar, dass in dieser Zeit Krieg, grausame Überfälle und Not an der Tagesordnung waren. Da beschönt die Autorin nichts. Sie hat wieder meisterlich die historischen Personen und Ereignisse geschickt in den Romanablauf eingebunden. Sie beschreibt zusätzlich im Vorwort die Personen und im Anhang in der Zeittafel die historischen Gegebenheiten. Natürlich hat sie sich die Freiheit genommen, den historischen Roman auszuschmücken und interessante, nette, liebenswerte und verabscheuungswürdige Protagonisten und Abläufe hinzuzufügen und dem Ganzen "Leben einzuhauchen"!.

Der Autorin zolle ich Respekt für ihre vorzüglichen Recherchen und ihre detaillierten Schilderungen. Da ich Freiberg und die Gegenden dort herum ganz gut kenne, hatte ich alles bildlich vor Augen, ebenso die Protagonisten Änne, Sibylla, Ulrich, Markus und wie sie alle heißen.

Wie auch schon den bisherigen Rezensionen zu entnehmen ist, sind die Leser unterschiedlicher Meinung über dieses Buch. Ich schließe mich den Skeptikern an. Als "Hebammen"-Freundin war ich enttäuscht, da ich eine weitere Folge dieser Saga erwartet hatte und hier dazu nur wenige Hinweise fand (die Protagonistin Änne ist eine Nachfahrin von Marthe). Zu viel waren mir auch die für mich langatmigen Beschreibungen der Kriegsvorbereitungen und -Ereignisse. Dafür kamen mir die Geschichten um die Protagonisten zu kurz. - Aber das ist natürlich Geschmacksache.

Mein Fazit: Freunde von historischen blutigen Kriegen sind mit diesem Roman gut bedient. Man kann ihn unabhängig von den "Hebammen-Büchern" lesen.


Blut und Silber

Dies war nicht das erste Buch von Sabine Ebert, welches ich gelesen habe. Die Hebammen-Reihe hat mir schon sehr gut gefallen und nun habe ich mich mit Blut und Silber" auf eine Fortsetzung des Lebens der Änne gefreut.

Das Cover hat mich sehr angesprochen. Im unteren Drittel sieht man eine Stadt in Flammen. Durch eine goldene Bordüre ist dieses Bildnis abgetrennt. Eine Frau, die eine brennende Kerze in der Hand hält ist auf dem zweiten Teil des Covers zu sehen. Diese Frau soll vermutlich Änne darstellen. Der Schriftzug ist in Gold gehalten und leicht hervorgehoben, sodass man beim Drüberstreichen die Erhöhung spürt. Der Hintergrund ist in Brauntönen gehalten.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt und die Geschichte spielt im Mittelalter. Im ersten Teil ist die Stadt Freiberg von König Adolf von Nassaus Heer umstellt. Er will sie für sich erobern, da er mehr Macht erlangen will und es kommt zu sehr vielen Kämpfen und Blutvergießen. Im zweiten geht es dann um Markus und Änne. Die beiden lieben sich, jedoch muss Markus aus der Stadt gehen. Als er wieder zurückkehrt, hat sich einiges verändert.
Erst im dritten und letzten Teil erfährt man dann mehr über das Zusammenleben von Änne und Markus.

Den Schreibstil fand ich sehr zäh und langatmig. Es war alles sehr ausführlich beschrieben, wodurch an manchen Stellen bei mir etwas Langeweile beim Lesen aufkam. Freiberg und auch einige andere Städte sind während der Geschichte sehr schön dargestellt worden und ich konnte mir die Stadt Freiberg bildlich vorstellen. Auch die Charaktere waren detailliert beschrieben, was einen Pluspunkt von meiner Seite gibt. Von Änne erfährt man nur leider erst sehr spät mehr und als Hauptfigur des Werkes ist sie mir etwas zu schüchtern und zu ruhig beschrieben.

Zum Ende des Buches hin war ich etwas enttäuscht darüber. Ich hatte mir erhofft, etwas mehr über Änne zu erfahren. Für mich persönlich war es etwas zu viel Blutvergießen und Gemetzel.

Fazit:
Ein sehr langer und ausführlicher historischer Roman mit sehr viel Kämpfen und Blutvergießen. Man muss die Hebammen-Reihe nicht kennen, um dieses Buch lesen zu können.

Gekonnt erzählt und überraschend detailreich

Auf einer Lesung, hatte ich Gelegenheit bereits ein wenig in die geschichtlichen Hintergründe von "Blut und Silber" eintauchen zu können und von der Begeisterung der Autorin zu diesem Thema angesteckt zu werden. So war ich also mehr als neugierig und wurde nicht enttäuscht ...

1298: König Adolf von Nassau zieht mit einer riesigen Streitmacht gegen die reiche Silberstadt Freiberg. Ihren Lehnsherr Friedrich von Wettin hat er zuvor aller Ländereien enthoben. Doch die Stadt und deren Bürger halten zu ihrem Lehnsherren. Angeführt von einem Ritter Friedrichs, Ulrich von Maltitz, leisten sie dem gewaltigen Heer Widerstand. Fast vier Wochen halten die Freiberger dem Gefecht stand, bis sie schließlich kapitulieren müssen. Friedrich von Wettin bleibt nichts anderes übrig als sich ins Exil zu begeben, an seiner Seite Ulrich von Maltitz und den jungen Markus - ehemaliger Hauptmann der Wache von Freiberg. Doch Friedrich hat die Hoffnung, seine Länder und Titel zurückzuerhalten, noch nicht aufgegeben. Einige Jahre nach der Eroberung Freibergs geschieht das Unfassbare: die Fürsten wählen Adolf von Nassau als König ab. Stattdessen wird Albrecht von Habsberg zum König ernannt. Bessere Zeiten scheinen nun für Friedrich und seine Getreuen anzubrechen, denn der Habsberger hat ihm bereits seine Länder zurück versprochen. Doch Albrechts von Habsberg, nun König, denkt nicht im Traum daran, Friedrich seine rechtmäßigen Ländereien zurückzugeben. Als der König auch noch nach Thüringen greifen will, dem letzten Sitz des wettinischen Hauses, rüstet Friedrich zu einem ungleichen Kampf ...

Detailreich erzählt Sabine Ebert das Geschehen der Jahre 1297 bis 1307 um Friedrich von Wettin, seiner Ritter und ihrer Protagonisten. Dabei hat sie historischen Persönlichkeiten, die wirklich lebten, fiktive Personen zur Seite gestellt: so Markus, den Hauptmann der Wache von Freiberg, seine große Liebe Änne und Sibylla, die Gauklerin. Gemeinsam mit dem Markgrafen Friedrich und seinem Ritter Ulrich von Maltitz sind es gerade diese Personen, die dem Leser am meisten ans Herz wachsen. Darüberhinaus hat die Autorin es jedoch geschafft, nahezu allen Figuren Leben einzuhauchen und deren Lebensweise und Handeln dem Leser anschaulich zu erzählen.

Nicht nur bei den Personen und dem mittelalterlichen Leben merkt man, dass die Autorin sehr intensiv recherchiert hat. Gerade die Geschehnisse, die Schlag auf Schlag folgen werden detailliert erzählt. Wenngleich die Männer auch immer wieder zu den Waffen greifen und man nach und nach so manche Figur betrauern muss, lässt sich "Blut und Silber" gut lesen und macht gerade zum Ende hin sogar richtig Spaß.

Auch wenn es Sabine Ebert schafft gänzlich ohne Längen und dennoch sehr detailreich zu erzählen, habe ich doch ein wenig mehr Spannung vermisst. Dadurch, dass die Autorin sehr nah an der realen Geschichte bleiben wollte, und hauptsächlich die Geschehenisse um Friedrich von Wettin erzählt, bleiben die übrigen Charaktere eher im Hintergrund und werden nur ab und zu aufgegriffen.

Dennoch bleibt "Blut und Silber" ein außergewöhnlicher Roman, denn man muss der Autorin vorallem eines zugestehen: sie versteht es historische Romane mit einer Fülle an geschichtlichem Hintergrund zu erzählen und dennoch keine Langeweile aufkommen zu lassen. Sie lässt Figuren auferstehen, die wirklich lebten und schafft es, dass man nicht nur neugierig nach mehr Hintergrundinformationen wird, sondern sich auch wirklich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte.

Fazit: Sabine Ebert erzählt farbenfroh und detailreich von einem Stück deutscher Geschichte und reichert ihren Roman gekonnt mit Personen an, die dem Leser richtig ans Herz wachsen. Darüberhinaus beschreibt sie kenntnisreich das mittelalterliche Leben und zieht den Leser mit zurück in die Vergangenheit.

Die guten alten Zeiten, die gab es nicht

... und Sabine Ebert versucht zum Glück auch nicht, sie heraufzubeschwören. "Blut und Silber" zeigt das Leben, wie es war, nicht romantisiert und idyllisch, sondern hart, blutig und zumeist traurig. Mittelalterlich verträumtes Flair wird man vergeblich suchen, und nach dem Lesen kommt gewiss nicht das Gefühl auf, wie schön es wäre, in eine andere Epoche zu reisen. Und das ist gut so. Es gibt genug Romane, die vor allem dem weiblichen Leser schöne Träume verschaffen, anstatt zu zeigen, was vor allem die einfachen Menschen damals alles aushalten mussten. Sogar mich, die ich sonst nicht zart besaitet bin, hat es oftmals erschüttert, wie wenig Rechte damals galten und wie willkürlich gefoltert, geschändet und abgeschlachtet werden durfte. Und Ebert benutzt diese Momente nicht, um den Unerhaltungswert zu steigern, sondern um den Leser gefühlsmäßig aufzurütteln und Mitgefühl in ihm zu wecken.
Dabei kann man jedoch nicht sagen, der Roman wäre nicht spannend, im Gegenteil. Ebert versteht es so meisterhaft, mit schlichten Mitteln lebendige Szenerien zum Leben zu erwecken, dass man fast meint, den Schnee im eigenen Gesicht, die Turmmauern unter den eigenen Füßen dröhnen und die Erde vom Donnern der Hufe beben zu spüren. Die lebensechten Charaktere wachsen einem so eng ans Herz, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann, weil man einfach wissen muss, was ihnen das Schicksal bringt. Zugegeben, manchmal geht es eng an der Grenze zum Klischee vorbei. Die eine oder andere Rettungsmission oder strategische Finte ist dann doch ein wenig unglaubwürdig, und manchmal sind die Helden ein wenig zu unverwundbar. Aber wie gesagt, das liegt an der Grenze und lässt sich im Rahmen der Unterhaltsamkeit verschmerzen.
Das einzige, was mich persönlich etwas störte, ist, das es keine echte Hauptperson gibt. Zuerst steht Ulrich von Maltitz im Mittelpunkt, der das Kommando über die Verteidigung Freibergs hat, dann rückt der junge Hauptmann Markus stärker in den Vordergrund. Die beiden Frauen an ihrer Seite, Sybilla und Änne, sind eher Nebenfiguren - was mich persönlich nicht angefochten hat, weil ich gerne über Männer lese, die nun einmal in Krieg und Freiheitskampf die Hauptakteure waren. Lästig fand ich jedoch, dass sowohl Ulrich als auch Markus im letzten Drittel ihre Hauptrollen an Friedrich, den Markgraf von Meißen, abgeben mussten, zu dem ich einfach keine Beziehung aufbauen konnte, weil er meiner Meinung nach eine zu unharmonische Mischung aus historischer Autenzität und Fiktion darstellt. Das ist jedoch natürlich reine Geschmackssache und stellt keinen Qualitätsverlust dar, denn Ebert verwebt die Charaktere gekonnt zum Ganzen einer großartigen, fesselnden, ergreifenden Geschichte, deren Bann man sich kaum entziehen kann.
Umso traurigere ist es dann, dass nur eine der beiden Liebesgeschichten ein glückliches Ende findet, obwohl dadurch natürlich noch besser deutlich wird, wie wenig Glück den Menschen damals beschieden war. Die Romanzen spielen ohnedies eine eher untergeordnete Rolle, was natürlich gut ist, weil so gewährleistet ist, dass die Geschichte sich aus kitschigen Gewässern heraushält. Auch das Sexualtreiben, das in der Hebammentrilogie nicht zu kurz kam, ist hier sehr sparsam. Ganz ehrlich gestanden, hätte der Roman von mir aus in dieser Hinsicht jedoch ruhig etwas "schlechter" sein können. Ein wenig Dahinschmelzen dürfte bei so viel Leid und Elend ruhig erlaubt sein. Dann hätte der Roman jedoch von mir auch wahrscheinlich nur vier Sterne bekommen, denn den fünften gibt es hier ganz eindeutig für die ungezuckerte Wirklichkeitstreue! Fest steht, dass Sabine Ebert nicht nur eine großartige Erzählerin ist, sondern auch begriffen hat, wie die Welt einst aussah und was in den (teils nicht vorhandenen) Seelen der Menschen vorging.

Die Geschichte Freibergs geht weiter

Akribisch recherchiert, voller Spannung und Leidenschaft, packend und fesselnd, ein muß für jeden Fan von guten Historienromanen. Und wer die Stadt Freiberg persönlich kennt, wird sich schnell in ihr wiederfinden...grandios

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